8. Deutsche Kurzbahnmeisterschaften der Masters vom 1. bis 3. Dezember 2017 in Bremen

 

Liebe Mastersschwimmerinnen, liebe Mastersschwimmer! Liebe Freunde des Mastersschwimmsport!

Die Deutschen Meisterschaften auf der Kurzbahn steht vor der Tür und die Ausschreibung hat so einige Diskussionen ausgelöst. Erstmals wurden die Pflichtzeiten angepasst. Seit den ersten Meisterschaften 2010 in Bremen haben die Kurzbahnmeisterschaften immer eine sehr gute Resonanz gefunden. Zum Jahresausklang einen attraktiven Wettkampf an einem interessanten Ort schwimmen, das ist immer eine Reise wert. So kam es wie es kommen musste, in Hannover überraschten uns 4076 Meldungen von 1230 Teilnehmern. Zusammen mit den unzureichenden Zuständen in der Schwimmhalle stand die Veranstaltung alle 15 Minuten vor dem Abbruch, weil das Schwimmhallenpersonal die Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnte. Es wurden Vergleiche mit der EM in London getroffen, die wir nicht wirklich als Kompliment aufgefasst haben. Dank des Teams vom Ausrichter in Hannover konnte die Meisterschaften bis zum tragischen Ende durchgezogen werden. Für uns stand aber fest: So kann eine Meisterschaft nicht mehr stattfinden. Die Zahlen der Teilnehmer dürfen nicht weiter steigen. Es galt eine Lösung zu finden, die der wachsenden Begeisterung der Masters, den Sicherheitsvorgaben und den vorhandenen Ressourcen an Schwimmbädern und ehrenamtlichen Potential Rechnung trägt. Wir haben in Deutschland nur sehr wenige Schwimmhallen, die über so große Kapazitäten verfügen; potentielle Ausrichter nahmen Abstand von einer Bewerbung. Eine Ausweitung auf 4 Wettkampftage ist derzeit keine Option. Man darf vor allem nicht vergessen, dass die Ausrichter durchweg mit ehrenamtlichen Helfern die Aufgaben stemmen, das Kampfgericht seine Freizeit dafür opfert und auch die Fachsparte ehrenamtlich tätig ist.

Nun gibt es mehrere Strategien die Teilnehmerzahlen zu steuern. Eine Möglichkeit sind Qualifikationslisten wie es bei den offenen Meisterschaften gehandhabt wird. Nachteil: Wir benötigen dann für jede Altersklasse eine Liste, die gepflegt und veröffentlicht werden muss. Bei Pflichtzeiten gibt es auch mehrere Varianten. Z. B. kann man die Zeit des Platz 20 der Vorjahresbestenliste als Pflichtzeit definieren. Da die Leistungsdichte in den Altersklassen sehr unterschiedlich ist, kann eine Pflichtzeit in älteren Altersklassen durchaus härter sein als bei jüngeren. Die Pflichtzeiten der langen Strecken wurden teilweise nach diesem Prinzip ermittelt.

Bei der DMSM und bei vielen Schwimmfesten findet die 1.000-Punktetabelle Anwendung um Zeiten über die Altersklassen hinweg zu vergleichen. Die Tabelle ist weitestgehend akzeptiert und jeder versteht das Prinzip. Da liegt es nah, die Pflichtzeiten an der 1.000-Punktetabelle zu orientieren. In der Fachausschusssitzung im März 2017 wurden die Strategien diskutiert und die Punktwerte und Randbedingungen festgelegt:

  1. Punktwerte: AK20 – AK50 500Pkt; AK55 – AK60 450Pkt; AK65 – AK75 400Pkt(AK75 wurde nachträglich Pflichtzeitenfrei gestellt)

  2. 50m/100m Strecken – Aufrundung auf halbe Sekunden; 200m Strecken Aufrundung auf ganze Sekunden

  3. Pflichtzeiten über die ansteigenden Altersklassen werden steigen oder gleichbleiben. Jedoch nicht sinken.

Nun gibt es Effekte, die aus den alten, empirisch festgelegten Pflichtzeiten und der Leistungsstärke der reiferen Jungend herrühren. Die AK20 hat teilweise bei den alten Pflichtzeiten 600 Punkte und mehr betragen und die Referenzzeiten(dt. Rekorde) der AK30 sind schneller als bei den AK20/25. In diesen Fällen sind die Zeiten über mehrere Altersklassen identisch. Bei anderen Altersklassen und Strecken entsprach die Pflichtzeit zum Teil weniger als 300 Punkte. Das Anheben der Pflichtzeit auf 400/450/500 Punkte ergab natürlich extreme Zeitdifferenzen nach unten.

Zwei Beispiele und deren Auswirkungen:

50 m Brust Frauen AK55: In der Bestenliste 2016 haben sich 68 Schwimmerinnen eingetragen. Die Pflichtzeit 2016: 0:57,0 min entsprechen 286 Pkt. 59 Schwimmerinnen haben 2016 diese Zeit unterboten und hätten in Hannover problemlos schwimmen können. 450 Pkt. entsprechen 0:49,01 min, aufgerundet auf halbe Sekunden – Pflichtzeit 2017: 0:49,5 min (-7,5 sek). Laut Bestenliste 2016 haben 38 Schwimmerinnen diese Zeit unterboten. Für Hannover haben 12 Schwimmerinnen gemeldet. Die Meldezeit einer Schwimmerin lag knapp über 0:49,5 min.

100 m Lagen Männer AK45: In der Bestenliste 2016 haben sich mehr als 100 Schwimmer eingetragen. Die Pflichtzeit 2016: 1:27,0 min entsprechen 329 Pkt. Jeder der Top-100 hat 2016 diese Zeit unterboten und hätte in Hannover problemlos schwimmen können. 500 Pkt. Entsprechen 1:15,68 min, aufgerundet auf halbe Sekunden – Pflichtzeit 2017: 1:16,0 min (-11,0 sek). Laut Bestenliste 2016 haben 61 Schwimmer diese Zeit unterboten. In Hannover sind 28 Schwimmer gestartet. Die Pflichtzeit für 2017 haben 23 Schwimmer unterboten, 5 Schwimmer nicht.

Als Fazit kann man sagen, dass die neuen Pflichtzeiten die vorhandenen Leistungen etwas genauer darstellen. Absolute Zeitdifferenzen sehen nur auf dem ersten Blick erschreckend aus, denn 50% der in den Bestenlisten eingetragenen Mastersschwimmerinnen und –schwimmer unterbieten diese neuen Pflichtzeiten. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Was gerecht und ungerecht ist, darüber lässt sich auch trefflich streiten. Wer die Hürde letztendlich knapp verpasst, wird sich meist als Verlierer fühlen.

Im Gegensatz zu vielen (attraktiven) Schwimmfesten, erfreuen sich die Deutschen Meisterschaften regen Zuspruchs. Meisterschaften müssen aber immer noch durchführbar bleiben. Ein Vergleich mit Europa- oder Weltmeisterschaften ist dabei nicht sinnvoll. Wir haben keinen Einfluss auf die Pflichtzeiten der FINA und LEN und Veranstaltungsorte mit 2(oder gar 4) Wettkampfbecken sehe ich in Deutschland nicht - ganz zu schweigen davon, jedes Jahr einen Ausrichter zu finden, der die Mammutaufgabe stemmt.

Ich hoffe etwas Klarheit in die Zahlen gebracht zu haben. Wir bitten um Verständnis bei Allen, denen eine Teilnahme an den Meisterschaften nicht mehr möglich ist oder zu risikovoll erscheint. Die Rahmenbedingungen in Deutschland lassen es aber leider nicht anders zu. Trainiert weiter und habt Spaß am Schwimmsport! Nutzt die Schwimmfeste und Landesmeisterschaften um Eure Leistungen zu testen. Es stärkt die Mastersschwimmgemeinschaft in den Regionen.

Sportliche Grüße!

Ralf Gauger (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) Referent Schwimmen
in der Fachsparte Masters

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